Studienprojekt Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
Was hat das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück mit textilem Gestalten zu tun? Wie lässt sich ein textiles Studienprojekt durchführen?
Mit diesen Fragen hat sich eine Projektgruppe im Rahmen des Studienfachs "Textiles Gestalten" im Sommer 2002 beschäftigt. Die nachfolgenden Seiten bieten einen kurzen Überblick. Ein Buch mit umfangreichen Bildern und Texten dieses Projektes ist in Arbeit.
Geschichte des Lagers
November 1938: Die SS lässt durch Häftlinge das Konzentrationslager Ravensbrück, 80 km nördlich von Berlin, errichten. Zwischen 1939-1945 wurden 132.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1000 weibliche Jugendliche, aus über 40 Nationen deportiert. Zwangsarbeit u.a. in den Erweiterungen: neben Barackenbau auch Bau des Industriehofes, Textilproduktionsstätten sowie 20 Werkhallen der Firma Siemens. Im Krieg entstanden 20 Nebenlager des KZ Ravensbrück. Zehntausende Häftlinge starben (durch Vergasung, Krankheiten, Hunger, Med. Experimente). Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee etwa 3000 zurückgelassene Kranke. 1959 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ranvensbrück gegründet. Seit 1993 gehört die Mahn- und Gedenkstätte zur neugegründeten Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Im ehemaligen KZ Ravensbrück spielte Textil eine wichtige Rolle.Sowohl die Stoffe als auch der Zuschnitt und die Fertigung der KZ-Häftlingskleidung, auch "Streifenkleidung" erfolgte in den Textilbetrieben des Lagers. Außerdem auch die Herstellung von Wehrmachts- und SS-Kleidung und -Uniformen.
Viele der weiblichen Häftlinge nutzten ihre textilen Fähigkeiten, um Mithilfe "abgezweigter" Flicken und Fäden kleine "Überlebensgegenstände" für sich oder ihre Freundinnen herzustellen.
Textile Tätigkeiten im Konzentrationslager Ravensbrück:
Entwicklung eines Erinnerungsprojekts: Textil und Textilarbeit im Konzentrationslager Ravensbrück
Zeitraum: 2. Juni - 7. Juni 2002
Projektleitung: Prof. Almut Bohnsack
Teilnehmerinnen: Daniela Auffahrt, Wiebke Bergmann, Verena Dübbert, Denise Engelker, Caroline Piper, Anne K. Schmidt
Am 2. Juni ist die Vorbereitungszeit der Projektgruppe beendet. Bisher haben sich die Teilnehmerinnen allgemein mit den Themen "Geschichte des Konzentrationslager Ravensbrück" und "Die NS-Zeit"auseinandergesetzt. Nun geht es zum Projektort, dem ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück.Der Autobus wird mit textilen Materialien beladen. Diese sollen in den nächsten Tagen in verschiedenartige Thematiken eingebunden werden. Mit gemischten Gefühlen, aber voller Spannung tritt die Projektgruppe ihre Reise in die Vergangenheit an.In den nächsten fünf Tagen werden sie im alten "Haus der Lagergemeinschaft" leben und sich intensiv mit dem Konzentrationslager Ravensbrück, seiner Geschichte und mit Menschen, die einen Bezug zu diesem historischen Ort haben, auseinandersetzen.Es entwickelten sich verschiedenartige Erinnerungsprojekte, die unter anderem mit textilen Materialien gestaltet wurden.
Die Phasen des Gesamtprojektes und die Einzelprojekte
Die große Menge an textilen Bezügen waren für die Projektgruppe des Faches Textil Anlass, diese Projektwochen durchzuführen. Erstes Ziel war das Sammeln von Erfahrungen und Eindrücken über die Dinge, die im Konzentrationslager Ravensbrück geschehen sind und die Menschen, die dort gearbeitet haben. Zwecks einer späteren Aufarbeitung wurden Ideen für Erinnerungsprojekte entwickelt. Zunächst wurde das Projekt an der Universität Osnabrück vorbereitet, dann machten wir uns auf einer Exkursion an die Arbeit im Konzentrationslager Ravensbrück. Zum Abschluss erfolte eine Aufarbeitung der Exkursion und der Einzelprojekte.
Einzelprojekte:
Spurensuche - Häftlingskleidung Erna de Vries
Erna de Vries arbeitete als politische Gefangene in den Siemenswerkstätten. Die Begegnung mit ihrem authentischen KZ-Kleid aus Ravensbrück war für die Projektgruppe ein spannendes und faszinierendes Erlebnis. Das Berühren des Kleides bedeutete zugleich die Überwindung einer Hemmschwelle. Das Kleid wurde in diesem Moment zu einem Objekt, das eine Geschichte erzählen konnte.Dazu beigetragen hat auch der Brief der Überlebenden, welcher dieses Kleid zu einem lebendigen Kleidungsstück macht. Ein Auszug des Briefes an die Leiterin der Gedenkstätte: "Ich gebe es zwar aus der Hand - aber es bleibt in Gedanken immer mein Lagerkleid, das mich oftmals vor der schlimmsten Kälte oder Regen schützte."Das Geschriebene macht das Objekt noch interessanter, da man sich plötzlich (wenn auch nur Ansatzweise) in die Person hineinversetzen und die Bedeutung des Kleides für die Trägerin verstehen kann.
Auf den Spuren der Erinnerung
Projekt von Wiebke Bergmann und Anne K. Schmidt
Mit diesem Weg werden die Besucher des KZ Ravensbrück eingeladen, seiner Spur zu folgen und die einzelnen Erinnerungen und die Erinnerungsmitmachprojekte zu entdecken. Dabei führen manche Wege zu einem Ziel, zu einer Erinnerung - andere laufen ins Leere. Dieser Weg ist mit Steinen des KZ-Geländes markiert. "Sie sind eingeladen, weitere Steine dazwischen zu legen und damit symbolisch den Brauch der Juden zu vollziehen, ..."
Was dies für ein Brauch ist, und was diese Spirale im Zentrum der Halle bedeutet, können sie demnächst in der Publikation nachlesen!
Die Hoffnungsspirale
Projekt von Daniela Auffahrt und Caroline Piper
Ausgangspunkt des Projekts ist die blau-weiß-gestreifte Häftlingskleidung, die im KZ Ravensbrück getragen wurde. Im weiteren Verlauf münden die Streifen in einem Regenbogen, dem Symbol des Lebens.
Der Faden, der Träger der Hoffnung, wächst in Form einer Spirale - Hoffnungsspirale- aus dem Leben heraus. Somit wird die Verbindung der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dargestellt.

