FB 01: Kultur- und Sozialwissenschaften

Textiles Gestalten


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Lob der Langsamkeit

Prof. Dr. Hilbert Meyer über eine wichtige didaktische Methode

In seinem bekannten Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ beschreibt Sten Nadolny eine Verhandlung seines Helden John Franklin mit einem Häuptling eines weit im Norden des Kontinents lebenden Indianerstamms. Dieser hatte den Kapitän sofort als den Führer der Expedition erkannt. Auf die Frage wie ihm dies möglich gewesen sei, antwortete er: „Er hatte am meisten Zeit.“ Langsamkeit, eine Geschwindigkeit, die auch heute nicht sehr in Mode ist, steht dem jungen John Franklin bei vielen im Wege. Doch – so der Autor Sten Nadolny – seine großen Erfolge als Kapitän und Erforscher der Nord-West-Passage sind genau dieser Tugend zu verdanken.
Bei dem Langsamen bleibt eben mehr im Laufe eines Tages haften als bei dem Schnellen. Er nimmt genauer wahr und kann sich die Dinge – weil er über die nötige Zeit verfügt – auch einprägen. Lediglich in einer Kultur, die auf diese Tugenden keinen Wert legt, kommt der Langsame zu kurz. Das kann auch in der Schule passieren. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken.

Dr. Hilbert Meyer ist emeritierter Professor für Pädagogik und gehört neben Wolfgang Klafki zu den großen konzeptionellen Denkern der pädagogischen Reform der letzten Jahrzehnte. Mit seinem Vortrag „Lob der Langsamkeit“, den er am 27. Juni 2012 ab 18.30 Uhr in der Aula des Schlosses hält, folgt der Pädagoge einer Einladung des Fachgebietes Textiles Gestalten und des Zentrums für Lehrerbildung.