FB 01: Kultur- und Sozialwissenschaften

Textiles Gestalten


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Knisternde Edelkreationen – Mode aus und mit Papier, Teil 1

Edle Sachen ....

Faszination Papier! International bekannte Designer und Designerinnen wie Issey Myake, Sandra Baklund oder Christa de Carouge verwenden bei der Herstellung ihrer Haute Couture, Kleidung, Handtaschen oder Schuhen, neben edlen Stoffen auch immer wieder Papier.

Seit über 1000 Jahren gibt es Versuche, das empfindliche Material für die Herstellung von Kleidung zu verwenden. So war der Werbegag des amerikanischen Papierherstellers „Scott Paper Company“ in den 1966er Jahren Auslöser eines völlig unerwarteten Booms. Das Unternehmen inserierte zum Scherz Papierkleider für 1,25 Dollar das Stück, mit dem Resultat, dass innerhalb kürzester Zeit über eine halbe Millionen Bestellungen eingingen. Der Trend schwappte sogar nach Deutschland über, wo die in Nordhorn ansässige Firma Nino den Rohstoff für die Papierkleider herstellte. In Papierkleidern in der Öffentlichkeit zu erscheinen, barg allerdings manche Gefahrenquelle in sich. Äußerste Vorsicht war bei Regen geboten, Zigaretten sollte man nicht zu nahe kommen und allzu heftige Bewegungen sollten vermieden werden. Es liegt also auf der Hand, dass sich dieser Trend nicht lange halten konnte.

In dem Seminar „Knisternde Edelkreationen – Mode aus und mit Papier“ experimentierten Studierende unter der Leitung der Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer mit unterschiedlichsten Papieren. Zeitungspapier, Industriepapier, Serviettenpapier, Packpapier oder Seidenpapier dienten als Zutaten für ihre „knisternden“ Kreationen. Die Studierenden rissen oder schnitten die Papiere in Streifen und verwebten, verknüllten oder verklebten diese. Die Spielformen der entstandenen Arbeiten sind vielfältig.

Im Fokus der Ausstellung steht der Papiertraum in Weiß, ein rauschendes Kleid für besondere Gelegenheiten. Eingerahmt wird es von zwei Kleidern, deren Hauptmerkmal dicht aneinander gereihte Blüten oder sorgfältig gefaltete Servietten sind.

Kuratorin: Nele Großjohann

Auskunft erteilt:

Prof. Dr. Bärbel Schmidt

Fachgebiet Textiles Gestalten

Tel. 0541-9694217

Baerbel.schmidt@uni-osnabrueck.de

Knisternde Edelkreationen - Mode aus und mit Papier, Teil II

Ausstellung vom 09.03. bis zum 31.03.2017

Kreationen aus Alt-, Industrie- und Packpapier

Die heiligen Schriften Buddhas dienten der Legende nach einem japanischen Mönch im Jahre 988 nach Chr. als Grundlage für sein provisorisches Papierhemd. Er brauchte saubere Kleidung, um seine Besucher entsprechend empfangen zu können. Eine schöne Geschichte, aber tatsächlich brachte wirtschaftliche Not Bauern in Japan auf die Idee, Kleidung aus Papier herzustellen. Aufgrund ihres niedrigen Standes durften sie keine Kleidungsstücke aus Seide – die ohnehin ein Luxusgut war – tragen und Rohstoffe wie Baumwolle standen ihnen zu der Zeit noch nicht zur Verfügung.

War der Mangel an Rohstoffen der Grund für die Anfertigung der ersten papierenen Kleider, so ist es heute der Überfluss, der Überschuss an gebrauchtem Papier, den Studierende des Faches Textiles Gestalten zum Anlass nahmen, Mode aus Alt-, Industrie- und Packpapier zu schaffen. Nach den USA, China und Japan ist Deutschland mit rund 26,3 Millionen Tonnen (2006) der viertgrößte Papierproduzent der Welt und nach den USA der zweitgrößte Papierimporteur (rund 11,6 Millionen Tonnen im Jahre 2006).  Der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier steigt hierzulande kontinuierlich und wird mit 253 Kilogramm (2006) nur von wenigen Ländern der Erde übertroffen. Parallel dazu sammelt kaum ein Land mehr Altpapier.

Grundlage des Papiers sind Bäume, die industriell gefällt werden, um als Grundlage für Zeitungen, Zeitschriften, Geschenkpapier, Verpackungen, Küchentücher oder Toilettenpapier zu dienen. Wenn es um die Zukunft unserer Wälder und damit unserer ökologischen Zukunft geht, dann ist die Papierindustrie also die Schlüsselindustrie.

Die Studierenden haben sich im Seminar „Knisternde Edelkreationen: Mode mit und aus Papier unter der Leitung der Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer auch unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit mit Papier unterschiedlichster Art auseinandersetzt. Mit ihrer ephemeren Mode weisen sie einerseits auf den verschwenderischen Konsum von Papier und damit auf die besorgniserregenden Folgen für die Wälder hin, andererseits zeigen sie, wie Papier kreativ genutzt werden kann.

Kuratorinnen: Nele Großjohann/Lesley Baldwin