FB 01: Kultur- und Sozialwissenschaften

Textiles Gestalten


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Exkursion nach Hannover

Makerspace Hafven und Use-less-Ausstellung

Erstmals nach drei digitalen Semestern finden im Textilen Gestalten der Universität Osnabrück wieder reale Exkursionen statt. Eine der ersten führte die Studierenden nach Hannover in den Makerspace Hafven und die Use-less-Ausstellung im Museum August Kestner.

Hafven-Mitgründer Christoph Zimmermann führte die Studierenden durch die Werkstätten und die Co-Working-Räume mit inspirierendem Gedankenaustausch im Hafven-Cafve. Die Studierenden waren begeistert vom Mut, den Visionen und dem Gemeinschaftsgedanken hinter dem Hafven-Konzept. Spannend auch ein neu angedachtes Vorhaben mit Schüler*innen, das in Kürze starten soll. Herzlichen Dank an Christoph Zimmermann und Team.

Der Besuch fügt sich ein in ein vom niedersächsichen Kultusministerium gefördertes Projekt des Textilen Gestaltens "Textile Studies, Craft Education und Makerspaces", zu dem in den vergangenen Wochen Recherchereisen nach Finnland, in die Niederlande und Belgien stattgefunden haben. Mehr dazu im Bericht Finland Travel Diaries und  Netherlands/Belgium Travelreport

Im Anschluss ging es in die Ausstellung Use-less im Museum August Kestner. Herzlichen Dank für die Führung zum Thema Slow Fashion an Annika Wellmann und Einblicke in die Museumspädagogik an Anina Mangels und Jorina Hansen. 

Weitere Informationen: https://www.hafven.de/ und https://useless-ausstellung.de/

Bildtext (Foto oben): Makerspace Hafven - Außenansicht, Galerie im Innehof, Werkstattführung, Holzwerkstatt, Mitgründer Christoph Zimmermann.

Bildtext (Foto unten): Use-less-Ausstellung im August Kestner Museum - Informationsmaterial, Ausstellungsansicht, Exponat Kindertunika, Gebrauchttextilien, Ausstellungseingang, Exponat Strickomat.

Fotos: Lucia Schwalenberg

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Musterarchiv

Digitale Exkursion in die historische Weberei Tannenhauer, Braunsdorf

Die Kostümhistorikerin Evelyn Schweynoch erforscht in Braunsdorf bei Chemnitz das Musterarchiv der historischen Weberei Tannenhauer. Ziel ist es, den reichhaltigen Musterbestand der historischen Weberei zu analysieren, inventarisieren und digitalisieren. Das Musterarchiv beinhaltet Gewebeproben aus dem Historismus, Jugendstil und den 50er Jahren genauso wie aus Zeiten als VEB-Betrieb in der DDR für den Export produzierte Gewebe. Die Weberei Tannenhauer hat eine mehr als 100jährige wechselvolle Geschichte, gegründet als Weberei für Jacquard- und Samtgewebe mit Schwerpunkt auf Möbelbezugsstoffen im 19. Jahrhundert, über unterschiedliche Betriebsschwerpunkte bis zur Schließung in den 1990er Jahre durch die Treuhand. Aufgrund regionaler Initiativen und unterstützt von Fördermitteln sind die Weberei mit voll funktionsfähigen Jacquardwebstühlen als Schauweberei und das Musterarchiv für die Öffentlichkeit als Museum zugänglich. Im Rahmen der hybriden Lehre fand im Textilen Gestalten eine Videoexkursion mit Evelyn Schweynoch in das Musterarchiv der Weberei Tannenhauer statt. Die Videoexkursion war Bestandteil der Lehrveranstaltung "MUSTER UND MOTIV" bei Lucia Schwalenberg.

Auszüge aus den Exkursionsberichten der Studierenden:

"Seit dem Mittelalter gilt Sachsen als eine Textilhochburg für Leinen- und Damastweberei, die sich über die Jahrhunderte immer weiterentwickelt hat. In der Weberei Tannenhauer und in den Webereien der  Umgebung stehen Jacquard-Webstühle, die im Webprozess mit Lochkartenmustern arbeiten. Eine Musterpatrone ist eine Art Vorarbeit zur Lochkarte, in der alle notwendigen Fadenschläge eingezeichnet werden. Dabei können mehrere Stoffe einer Musterpatrone angehören. Muster wurden oft auf Transparentpapier mit Wasserfarben oder Bleistift skizziert, wie z.B. Blumen in unterschiedlichen Blühzuständen. Notizzettel waren für die Weber wichtig, damit sie die gesamten Informationen zum Weben vor sich haben konnten. Zudem liegen Design- und Farbmusterbücher vor, in denen z. B. kleinteilige Muster mit Reliefs und Stoffstücke mit Beschreibung eingeklebt wurden. Um die Jahrhundertwende eröffneten viele Entwurfszeichnerbüros, von denen noch nicht viel erschlossen worden ist. Im Archiv erhalten sind umfangreiche Unterlagen der langjährigen Aterlierleiterin Eva Humburg. Humburg hat in der DDR-Zeit mit Hochschulen in Weimar, Berlin und Halle zusammengearbeitet, wobei Entwürfe und Patronen von Studierenden als Abschlussarbeiten in der Weberei Tannenhauer in Herstellung gegangen sind. Zum Bestand gehören sieben Musterausgangsbücher, durch die sich nachvollziehen lässt, welche Partner die Weberei Tannenhauer um 1950 hatte. Diese Zeit war von geometrischen Mustern geprägt, wobei im Gegensatz zum ursprünglich verwendeten Material Wolle in der DDR-Zeit überwiegend synthetische Materialien wie Viskose verwendet wurde. Vor dem zweiten Weltkrieg orientierte sich die Produktion der Tannenhauer-Weberei an historischen und traditionellen Motiven wie dem Pinienzapfen oder  dem Granatapfel (16. Jhd.) oder der Ananasstaude (17./18. Jhd.). Florale Motive wurden in Richtung des Jugendstils ins Geometrische abstrahiert oder als Einzelmotiv verwendet. Aus den 1930er bis 1940er Jahren sind Samte zu finden. Diese orientieren sich am Bauhaus und sind dunkel gehalten, darunter viele Karomuster. In den 1930er Jahren kamen farbige Blumenmotive im  Biedermeierstil dazu, ergänzt um geometrische und gestreifte Muster. Diese fanden über Jahrzehnte großen Anklang und wurden bis in die 1990er Jahre in der Weberei gewebt, wobei die Muster immer wieder neu modisch angepasst wurden. Diese Stoffe wurden weltweit, teilweise bis nach Sri Lanka verschickt." Natalie Korfmann.

"Die zugrundeliegenden Entwürfe wurden ursprünglich mit Wasserfarben gemacht und um
Details mit Bleistift und Buntstift ergänzt. Im Anschluss wurden anhand der Entwürfe von
einem Patroneur Musterpatronen auf kariertes Papier gestempelt, von denen in der
Weberei Tannenhauer, inklusive der zugehörigen Metadaten, sehr viele vorhanden sind.
Das karierte Papier stellt die einzelnen Fäden dar, so dass die Musterpatronen genau
zeigen, wann mit welchem Faden wie gearbeitet werden muss, um das gewünschte Muster
zu erhalten. Neben den Musterpatronen sind von vielen Designs die zugehörigen
Stoffproben oder -muster vorhanden sowie ausführliche Notizen, die detaillierte Informationen für die Weber*innen enthalten." Melina Marquardsen.

"Evelyn Schweynoch ist studierte Kunsthistoriker mit Schwerpunkt Kostümgeschichte und gelernte Damenschneiderin. Die Erforschung des Musterarchives der historischen Weberei Tannenhauer in Braunsdorf bei Chemnitz obliegt ihr als Projektleiterin. In Zschopautal befinden sich die unter Denkmalschutz stehenden Räume der ehemaligen Weberei. Besucher*innen können die ehemaligen Produktionssäle besichtigen. Besonders interessant ist, dass die Webmaschinen in Betrieb sind und mit ihnen noch gewebt wird, u. a. für Sonderaufträge für historische Textiltapeten in Schlössern. Allerdings gibt es immer weniger fachkundiges Personal, dass sich mit der Instandhaltung solcher Geräte auskennt. Das Museum sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für einen hochbetagten technischen Mitarbeiter.

Nach der Wende kam es zur Schließung der Firma Tannenhauer. Einige der Webmaschinen wurden entsorgt und es kam zu Lücken im Maschinenpark. Diese wurden für den Museumsbetrieb mit Maschinen aus anderen Standorten gefüllt, so beispielsweise eine Doppelplüschwebmaschine und eine Teppichwebmaschine. Das Museum verfügt außerdem über eine für die Jacquardweberei wichtige Kartenschlag- und eine Kartennähmaschine sowie eine Zwirnmaschine. Die Museumsweberei war zunächst Bestandteil des Industriemuseums Chemnitz und arbeitet inzwischen eigenständig unter dem Dach der Gemeinde Niederwiesa. Im Rahmen einer Schenkung übergab die Familie Tannenhauer das gesamte historische Musterarchiv mit rund 30.000 Exponaten 2014 an das Museum.

Die Projektkoordinatorin des Musterarchivs, Evelyn Schweynoch, beschäftigt sich intensiv mit Jacquardkarten, Entwürfen, Musterpatronen,  Farbproben und Geweben in unterschiedlichen Qualitäten und Anwendungsbereichen. Während der Online-Exkursion zeigte sie beispielsweise einen Entwurf aus der Vorkriegszeit. Hierbei handelt es sich um ein graues Muster, das mit Hilfe von Wasserfarben und Buntstiften angefertigt wurde. Die dazu gehörende Gewebepatrone enthält den Stempel des Patroneurs, bzw. der Musterzeichnerin oder des Musterzeichners. Diese Stempel sind für Museen interessant, da sie eine historische Geschichte mit vielen Details enthalten. Dies steigert die Wertigkeit dieser Fundstücke und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer kulturellen Vergangenheit." Natalia Weydandt.

"Die Maschinen der Museumsweberei in Braunsdorf stammen größtenteils von der ehemaligen Webstuhlfirma Schönherr. Die Firma Schönherr produzierte bis in das Jahr 1993 Webstühle in Chemnitz, die weltweit vertrieben wurden. Die Webmaschinen der Schauweberei werden auch heute noch für Webarbeiten genutzt. Die Nutzung ist durchaus sinnvoll, da die Maschinen bewegt werden sollten, um ihre Funktionstüchtigkeit zu erhalten – ganz unter dem Motto 'was rastet, das rostet'. Ein ehemaliger über 90 Jahre alter Webmeister bewohnt eine Privatwohnung bei seinem ehemaligen Arbeitgeber der Firma Tannenhauer und wartet die Maschinen regelmäßig. Das Museum sucht nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger, da es nur noch sehr wenige Personen gibt, die potenziell in der Lage sind, eine solche Maschine zu warten oder zu reparieren." Clara Ludwig.

"Im Archiv sind die umfangreichen Unterlagen Eva Homburgs, ehemalige Atelierleiterin, eingelagert. Während der DDR-Zeit hat sie die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen in Weimar, Berlin und Halle gefördert. Zudem fertigten die Studierenden damals ihre Entwürfe und Patronen für ihre Abschlussarbeiten in der Weberei. Die Zeit der DDR war geprägt von geometrischen Mustern auf synthetischen Stoffen wie Viskose. In dieser Zeit war die Weberei in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Hochwertige Materialien waren nur schwer oder teilweise gar nicht zu bekommen, nichtsdestotrotz haben die Weber und Weberinnen es geschafft Kopien von bestimmten Stilen herzustellen." Christina Falkenstein.

Fotos: Lucia Schwalenberg

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Spinnerei Alvesrode

Videoexkursion mit Studierenden in die Spinnerei von Carina Reso

Im Rahmen der hybriden Lehre fand im Textilen Gestalten eine Videoexkursion in "Die kleine Spinnerei" der studierten Agrarwirtin Carina Reso in Alvesrode am Deister statt. Carina Reso betreibt als Teil des landwirtschaftlichen Betriebes der Familie eine eigene Spinnerei. Ziel ist es, sowohl die Wolle eigener Alpakas und Kaschmirziegen als auch Kundenaufträge von heimischen, regionalen Schafrassen zu verarbeiten, zu waschen, spinnen und zu färben. Dazu gehören Schafrassen wie Coburger Fuchs, Gotlandschaf oder Texelschaf. Dies ist aufgrund der modernen Spinnereitechnologie auch in Kleinmengen möglich. Carina Reso verbindet ein altes Traditionshandwerk mit neuester, moderner Technik und spinnt den Faden zu einer nachhaltigen, regionalen Produktion. Die Videoexkursion war Bestandteil der Lehrveranstaltung "FROM THE SCRATCH - Textile Selbstversorgung: Vision oder Utopie" mit Lucia Schwalenberg.

Auszüge aus den Exkursionsberichten der Studierenden:

"Durch die verwendeten Maschinen ist dank moderner Spinnereitechnologie die Veredelung von Kleinmengen möglich. Beim Ankauf fremder Wolle erfolgt eine Qualitätskontrolle, um sicherzugehen, dass die Wolle dem gewünschten Standard entspricht. Dabei wird darauf geachtet, dass die Wolle frei von Einstreu ist und keinerlei Schädlinge enthält. Des Weiteren findet eine Vorsortierung statt, in der Wolle aus den Bereichen Bauch, Beine und Gesäß aussortiert wird. Um die Wolle zu Garn verarbeiten zu können, sind mehrere Produktionsschritte nötig. In der kleinen Spinnerei wird Wert auf eine Kombination aus Maschinen und Handarbeit gelegt. Im ersten Schritt wird die Wolle gewaschen. Dies geschieht in der Waschanlage, in der bis zu drei Kilogramm Rohwolle gewaschen werden kann. Um das Lanolin auszuwaschen, benötigt man eine Temperatur von 70 bis 75 Grad. Der ressourcenschonende Nachhaltigkeitsgedanke spiegelt sich auch im Waschmittel wider, es wird nicht chemisch, sondern mit organischem Waschmittel gereinigt. Im Anschluss an den Waschprozess erfolgt die Trocknung. In Regalen trocknet die Wolle für zwei bis drei Tage.

Im nächsten Schritt wird die Wolle im Picker weiterverarbeitet. Dabei wird die Faser mechanisch aufgeschlossen und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Dies geschieht auf einem Fließband, indem die feste Flocke von der Walze gepickert wird. Eine Ausnahme beim Picker bilden z. B. Kaschmirwolle oder andere feine Fasern wie Angora, Babyalpaka. Diese sind zu empfindlich und diese Fasern würden im Picker zerstört werden. Dann landet die Wolle im Separator. Mittels mehrerer, hintereinanderliegender Walzen werden die Grannenhaare herausgereinigt. Hierbei gibt es zwei Reinigungsstufen, bei denen die Grannenhaare und kurze Haare aus der Wolle fallen. Das gereinigte Vlies fällt nun aus der Maschine.

Der Karder verfügt über ein Förderband sowie einen Luftabsauger, welcher den Staub einsaugt. In dieser Maschine wird nochmals ein kleiner Teil des Grannenhaars herausgereinigt. Um ein Kardenband zu erzeugen, werden die Haare in eine Richtung gekämmt. Das Kardenband kann nun entweder auf einer Walze aufgewickelt und zu einer Matte gearbeitet werden. Interessant ist, dass bei Rückschlägen während der Produktion bis zum Kardenband keinerlei Einbußen gemacht werden, da die Wolle erneut im Separator oder Picker bearbeitet werden kann. Am Strecker, wird das Kardenband gestreckt und von Walzen gerichtet. Diesen Prozess muss die Wolle zwei Mal durchlaufen. Die Fasern werden noch einmal parallel ausgerichtet. Durch das Zusammenfügen von zwei Kardenbändern können kleinere Fehler oder Unebenheiten ausgeglichen werden. In diesem Produktionsschritt wird bereits die Anzahl der Fäden für das spätere Garn festgelegt.

Die Spinnmaschine verarbeitet das Kardenband auf bis zu acht Spindeln bzw. Spulen zu Garn. Dazu wird das Kardenband aus den Tubes auf die Spulen gewickelt. Im Verzwirner können zwischen zwei bis vier Fäden miteinander zu Garn verzwirnt werden. Um den Drall zu entfernen, dreht die Maschine in der entgegengesetzten Richtung. Der Dämpfer bedämpft den Faden, um das Garn zu entspannen. Das Garn wird abgekühlt und auf Cones aufgewickelt. Im nächsten Schritt kann nun entschieden werden, ob das Garn zu einem Strang oder einem Knäuel gewickelt werden soll. Bei diesem Arbeitsschritt erfolgt gleichzeitig ein Erfassen der Lauflänge des Garns. Die Färbeeinrichtung der Spinnerei benötigt höhere Temperaturen, weshalb diese Maschine außerhalb der eigentlichen Spinnerei aufgestellt ist. Zum jetzigen Zeitpunkt wird die Wolle mit Säurefarben gefärbt.

Interessant fand ich die Einteilung der Alpakawolle in die drei Qualitätsgrade (1.: Rücken, Seiten; 2.: zum Filzen, für Bettwäsche; 3.: für Dünger) und die Anschaffung einer Mühle, um die Abfälle zerkleinern zu können und als Düngemittel in Pellets zu pressen. Ebenfalls sehr informativ fand ich, dass bei der Spinnmaschine nicht die Wolle von mehreren Schafen verwendet werden kann, da jede Wolle unterschiedliche Anforderungen mit sich bringt und somit die Einstellungen der Maschine spezifisch angepasst werden müssen. Dadurch, dass die Produkte fast gänzlich nochmal bearbeitet werden können, entstehen wenige Verluste durch Produktionsfehler bis zum Spinnprozess. Auch dieser Aspekt ist im Hinblick auf Nachhaltigkeit besonders interessant und wichtig.

Dies war meine erste digitale Exkursion, die ich als ausgesprochen informativ und als Abwechslung zur derzeitigen digitalen Lehre wahrgenommen habe." Désirée Harmel.

"Viele Kunden der Spinnerei Alvesrode sind nachhaltig und ökologisch orientiert. Der Prozess für einen Kundenauftrag dauert bis zu einem halben Jahr. Aus zwei Kilogramm Kundenwolle entstehen circa 700-800 Gramm Garn. Da die Nachfrage sehr hoch ist, erhält der Familienbetrieb einmal die Woche Hilfe von einer professionellen Weberin, die Erfahrungen und Grundlagen aus der Branche mitbringt. Erscheint es zu Beginn schwierig, eine mehrjährige Geschichte der Wollverarbeitung erfolgreich zu vermitteln, steht am Ende der Online-Exkursion fest, dass dies durchaus gelingen kann. Durch die Chronologie der Arbeitsschritte gelingt es, zu folgen und sich zu orientieren. Das ausgewogene Verhältnis zwischen theoretischer Vorstellung, praktischer Vorführung und eigenständiger Partizipation hat zur Folge, dass die Wissensvermittlung optimal gelingt. Durch den beeindruckenden Einblick, den wir in dieser Exkursion, trotz Online-Semester, in die Spinnerei Alvesrode bei Carina Reso erhielten, wurde allen Studierenden die nachhaltige, landwirtschaftliche Wollverarbeitung nahe gebracht." Saskia Lübke

"In der Spinnerei verarbeitet Carina Reso nicht nur ihre eigenen Tierfasern zu Wolle. Auch andere Interessierte können Fasern ihrer Tiere in Auftrag geben und erhalten ein regional hergestelltes Garn, welches nachhaltig in aufwendiger Handarbeit produziert wurde. Dabei kann die Farbe und die Dicke des Garns individuell gewählt werden. Wichtig ist ein verlustarmes und sorgfältiges Arbeiten. Aber auch die Herstellung der Fasern zu Garnen setzt eine Vielzahl von zeitintensiven Arbeitsschritten voraus. So bräuchte es in der Spinnerei beispielsweise zwei Angestellte, um drei Kilo Garn pro Tag herstellen zu können. Besonders interessant finde ich den Kontrast der 'Kleinen Spinnerei' in Alvesrode mit dem Tuchmacher Museum in Bramsche. Während in der Spinnerei eine regionale Produktion in kleinen Mengen stattfindet, welche individuell zugeschnitten und auf das Tier genau zugeordnet werden kann, produziert das Tuchmacher Museum in Bramsche eine deutlich größere Menge. Insgesamt war es eine sehr informative und spannende virtuelle Exkursion mit einem wunderbaren Einblick in die Arbeitsweise innerhalb der Spinnerei." Jessica Kirschmann

"Das Motto 'From the Scratch', was soviel bedeutet wie 'von Anfang an' ist das Thema dieses Seminars und fordert die Studierenden dazu auf, aus dem Nichts mithilfe von natürlichen und anderen auffindbaren oder vorhandenen Materialien textile Werkzeuge selbst herzustellen. Bezogen auf die textile Technik des Spinnens gilt, dass sie den Anfang der textilen Produktion darstellt. Ziel dieser Exkursion ist es, sein Bewusstsein für Textilien zu erweitern, um diese wertschätzen zu können und die Mühe und das Wissen zu sehen, das bereits im ersten Schritt der Produktion von Textillien steckt. Die Spinnerei Alvesrode steht so für uns sinnbildlich für den 'Anfang'. Die Exkursion hat mich in meiner Entscheidung gestärkt, mich im Laufe des Seminars auf ein Projekt zu fokussieren, dass auf die Erstellung eines selbstgebauten Spinnrades hinausläuft. Die Vision des Betriebs, in zehn Jahren regional und vollkommen nachhaltig mit pflanzlichen Färbemittel und ohne Zusätze Garn produzieren zu können, ist eine erstrebenswerte Einstellung, die mich als Textilstudierende inspiriert. Diese Exkursion ist für den Besuch mit einer Schulklasse geeignet. In Bezug auf die Grundschule können SchülerInnen das Thema Spinnen visuell, haptisch, akustisch und olfaktorisch erfassen. SchülerInnen sehen, wo die Wolle herkommt, wie sie verarbeitet wird, wie sie nach den einzelnen Verarbeitungsschritten riecht und sich anfühlt und hören, wie laut die Maschinen sind. Bei einer Exkursion werden alle Sinne angesprochen und mit den Themen Nachhaltigkeit, Kultur und Ökonomie verbunden." Natalie Korfmann.

"Vom Schaffutter bis zum Wollpulli: Die Exkursion in 'Die kleine Spinnerei' von Carina Reso in Alvesrode bei Springe gibt einen Eindruck, wie aus Rohwolle ein Pullover wird. Alle Arbeitsschritte finden in der Spinnerei statt, angefangen vom Waschen der Wolle, Reinigen von Schmutz und Wollfett mit organischem Waschmittel, Auflockern, Entfernen von Staub und feinem Haar, Kardieren, Fertigen von Vorvlies und Vlies bis zum Spinnen und Zwirnen. So werden unnötige Transportwege vermieden. Das Thema der Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle Arbeitsschritte. Bereits die Haltung der Tiere ist ein Kriterium. Das verwendetet Waschmittel sowie die Farben unterliegen ökologischen Richtlinien. Bei der Verarbeitung der Wolle anfallende Reste werden genutzt. Aus Grannenhaaren werden in einem separaten Arbeitsschritt Düngerpellets für Pflanzen. Spannend fand ich die Information, dass bereits das Futter der Tiere eine Auswirkung auf die Qualität der Haare hat. Dieser logische Zusammenhang wirft für mich ein neues Licht auf die Wertigkeit von Garnen und Kleidungsstücken aus hochwertiger Wolle. Betrachtet man die Arbeit, die Zeit und die Faktoren, die für die Produktion eines nachhaltigen, fair produzierten Wollpullovers nötig sind, steigt der Wert um ein Vielfaches.Die Übersicht über diese Faktoren und die Arbeitsschritte helfen bei der kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Mode und Nachhaltigkeit." Anja Leshoff.

"Eine Online-Exkursion war etwas Neues für mich. Wir haben uns digital mit Carina Reso getroffen in ihrer Spinnerei in Alvesrode. Bei der Vorführung der Arbeitsschritte an den einzelnen Spinnmaschinen ist mir aufgefallen, dass Carina Reso, eine Leidenschaft für das Spinnen vermittelt. Ihr sind Naturprodukte und die nachhaltige Entwicklung sehr wichtig. Sie hat uns alles gezeigt und sehr gut erklärt." Maximiliane Meyer.

"Am 24. November machte das Seminar 'From the Scratch - Textile Selbstversorgung: Vision oder Utopie' eine Online-Exkursion, die auch die Studierenden von der Warteliste besuchen durften. Via Big Blue Button führte uns Carina Reso durch ihre Spinnerei. Ziel der Exkursion war es, einen regionalen Kleinbetrieb, der nachhaltig wirtschaftet kennenzulernen und die verschiedenen Produktionsschritte von der Wolle bis zum Garn veranschaulicht zu bekommen. Vorab war ich skeptisch, inwieweit eine virtuelle Exkursion umsetzbar ist. Die Exkursion hat mir gezeigt, dass virtuelle Exkursionen gut möglich sind. Natürlich ist es im textilen Bereich sinnvoll, haptische Erfahrungen zu machen. Allerdings kam die Führung ohne diese aus und konnte einen spannenden Einblick in einen Spinnereibetrieb und die dahinterstehende Arbeit geben. Carina Reso war sehr offen gegenüber unseren Fragen und konnte diese gut beantworten. Es war interessant, die Maschinen im Vergleich zum Tuchmacher Museum zu sehen. Sie waren wesentlich kleiner und dennoch waren Parallelen erkennbar." Jana Gussenberg

"Dem Familienunternehmen ist es wichtig, langfristig Garne aus Deutschland nachhaltig zu produzieren. Trotz der Durchführung der Exkursion über BigBlueButton gelang es, alle wichtigen Aspekte zu erkennen. Es wurden alle Fragen verständlich und ausführlich beantwortet. Der komplette Ablauf von der Rohwolle bis zum fertigen Garn wurde aufgezeigt und die Beweggründe, die dahinter stecken eine eigene nachhaltig orientierte Spinnerei zu führen. Ein Besuch mit einer Schulklasse wäre - nach Corona - naheliegend und umsetzbar. Alles in allem eine tolle Exkursion, bei der ich sehr viel gelernt habe." Lara Schiefner

"Ich bin ich sehr froh, dass sich mir die Chance geboten hat, an dieser besonderen Exkursion teilnehmen zu dürfen. Wir haben viel darüber gelernt, wieviel Arbeit hinter einer Spinnerei steckt und wieviel Zeit hinter einer kleinen Menge Garn. Auch, wenn wir nicht live vor Ort waren, konnten wir die Maschinen genau ansehen und hatten fast das Gefühl, vor Ort zu sein. Es ist eine große Leistung vor einer Gruppe zu sprechen, die man nicht sehen kann und bei allen ein Interesse am Thema zu wecken. Wie ich an den Fragen meiner Mitstudierenden gemerkt habe, waren alle ebenso begeistert von der Exkursion wie ich, da es sehr interaktiv und lehrreich war. Es ist beeindruckend sich so ein Unternehmen aufzubauen." Lotta Breetzke

"Die virtuelle Führung war wirklich sehr interessant. Man merkt, dass Carina Reso die Spinnerei mit Herzblut betreibt. Carina Reso hat uns sehr gut per BigBlueButton durch ihre Räumlichkeiten geführt. Sie hat uns ihre Maschinen erklärt und ihre Ideen für die Zukunft mitgeteilt. Sehr schön war es zu sehen, dass sie an allen Stellen mitdenkt und nachhaltig an das Thema herangeht. Die Weiterverarbeitung der Abfälle und die Beschäftigung von körperlich eingeschränkten Menschen hat mich sehr beeindruckt. Man konnte ihr sehr gut folgen und es war sehr verständlich erklärt, obwohl es ihre erste virtuelle Führung war. Die Spinnerei ist auf jeden Fall empfehlenswert für Schulklassen und Kinder, da alles sehr strukturiert war und man jederzeit nachfragen konnte und die Erklärungen sehr kindergerecht funktionieren." Mona Broksieker

"Carina Reso berichtete, dass die Nachfrage für das Verspinnen eigener Wolle ziemlich hoch ist, obwohl das Geschäft noch im Aufbau ist. Die Anfragen sind vielfältig, so hat z.B. ein Freilichtmuseum um Rekonstruktionen aus der Zeit des Mittelalters um eine Kooperation mit der Spinnerei gebeten. Damit und dem Lob und Dank seitens der Studenten_innen an die Referentin endete die Exkursion. Ich persönlich war von ihrer mutigen Art überwältigt und inspiriert. Die Reflexion und das Vorbild von Carina Reso steigert den Mut, ohne Angst eigene Ziele zu erreichen. Wenn man will und hart dafür arbeitet, kann man alles erreichen und erfolgreich sein." Beyza Yilmaz

"Durch die Online-Exkursion habe ich einen sehr positiven Einblick in die Spinnerei in Alvesrode erhalten. Besonders interessiert hat mich, was es heißt den Betrieb aufzubauen und nebenbei einen landwirtschaftlichen Betrieb am Laufen zu halten und die eigene Familie nicht außer Acht zu lassen. Was ich ebenfalls bemerkenswert fand war, dass der Betrieb großen Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität legt. Alle Abfallprodukte werden weiterverwendet, gegebenenfalls zu Dünger weiterverarbeitet und genutzt. Die Idee, regionale Wolle zu produzieren fängt nicht erst bei der Produktion an, sondern schon bei der Haltung der Tiere. Die Idee, Schulklassen und Besuchergruppen in die Spinnerei einzuladen, trägt zu einer Sensibilisierung des Themas bei und als angehende Lehrkraft kann ich mir definitiv vorstellen solche Angebote im Rahmen des Unterrichts in Anspruch zu nehmen." Rieke Ohlsen

"Inhaltlich war die Online-Exkursion sehr bereichernd. Die Führung von Frau Reso und ihr Vortrag, haben uns die Möglichkeit gegeben zu sehen, wie eine kleine Spinnerei arbeitet und welche Arbeitsschritte und Geräte man dafür braucht. Außerdem ist es eine große Chance gewesen, dass man Fragen stellen konnte und diese sehr ausführlich beantwortet wurden." Zeynep Yaman

"Die eingesetzten Maschinen sind empfindlich. Die Wolle muss sehr gut gereinigt werden, beispielsweise von Schmutz oder Stroh, da es sonst zu Fehlern kommen kann. Dabei werden die Maschinen beaufsichtigt, um bei Fehlern zügig reagieren zu können. Die Fasern müssen qualitativ hochwertig sein, da diese sonst nicht richtig verarbeitet werden. Die eingehende Wolle wird vor der Verarbeitung ausführlich hinsichtlich der Qualität geprüft. Es dürfen sich keine Fremdkörper wie Äste oder Stroh darin befinden und bei Schädlingsbefall wird die Wolle nicht verarbeitet und wieder zurückgegeben." Kevin Schmidt

Fotos: Lucia Schwalenberg

Historische Beiderwandweberei der Stiftung Mensch in Meldorf

Beiderwandweberei Meldorf

Videoexkursion mit Studierenden in den Handwerkerhof der Stiftung Mensch

Im Rahmen der digitalen Lehre fand im Fachgebiet Textiles Gestalten eine Videoexkursion in die  Beiderwandweberei der Stiftung Mensch in Meldorf statt. Die Stiftung Mensch verfügt im Alten Pastorat in Meldorf über eine deutschlandweit einzigartige Beiderwandweberei. Bestandteil der Weberei ist ein kostbarer, historisch gewachsener Musterschatz mit komplexen Jacquardkartenläufen, historischen Webstühlen, Maschinen und Geräten sowie einem Archiv an Gewebezeichnungen und Musterproben. Der Betrieb erfolgt mit Betreuten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Leiter des Handwerkerhofes im Alten Pastorat, Wolfgang Sternberg, führte die Studierenden des Textilen Gestaltens durch die Werkstatt. Die Videoexkursion war Bestandteil der Lehrveranstaltung "Musterschatz - Kollektionsentwicklung für die historische Beiderwandweberei der Stiftung Mensch in Meldorf" mit Lucia Schwalenberg.

Auszüge aus den Exkursionsberichten der Studierenden:

"Ich habe einen Eindruck bekommen was es heißt, ein Muster zu weben - von der Idee bis hin zum Endprodukt. Außerdem dafür, welche Arbeit und was für ein Zeitaufwand hinter der Entwicklung steckt. Sehr beeindruckt war ich davon, wie der Jacquardwebstuhl funktioniert und wie viele Lochkarten es braucht, um ein Muster mechanisch weben zu können." Rieke Ohlsen

"Die Lochkarten sind verantwortlich für die komplexen Muster bei der Jacquardweberei, da anders als bei  Schaftwebstühlen, jeder Kettfaden einzeln und unabhängig voneinander gehoben bzw. gesenkt werden kann. Auf die Lochkarten wird das gewünschte Muster im Binärsystem programmiert. Ein Loch an der entsprechenden Stelle auf der Lochkarte bedeutet, dass der Kettfaden gehoben wird, kein Loch heißt, dass er gesenkt bleibt. Die Lochkarten bestehen aus dicker Pappe und vier Grundlöchern in den Ecken, an denen die Lochkarten miteinander verbunden werden. In einer externen 'Programmier'-Maschine, der sogenannten Kartenschlagmaschine, wird das Muster mit einer Tastatur eingestanzt. Dieses Lochkarten-System ist das Charakteristikum eines Jacquardwebstuhls. Ich bin sehr dankbar dafür, dass uns die Exkursion ermöglicht wurde und nehme eine Menge bezüglich des Arbeitsaufwandes der Weberei mit." Sophia Schlimm

"Die Werkstatt wurde saniert und einige Webstühle generalüberholt. Die Sanierung kam stark zur Geltung, so wirkten die Räumlichkeiten offen und hell. Sie vermittelten einen Eindruck einer ruhigen Arbeitsatmosphäre. Das Besondere an der Weberei in Meldorf ist, dass sie neben den Jacquardwebstühlen auch eine Kartenschlagmaschine und eine Kartennähmaschine besitzt. Beim Kartenschlagen werden Grundkarten mit Grundlöchern formatiert. Diese Karten werden anschließend in die Kartenschlagmaschine eingespannt, sodass konkrete Löcher - für das jeweilige Muster - mit der Tastatur geschlagen werden können. Nachdem die Karten geschlagen sind, werden sie mit einer speziellen 'Nähmaschine' zu einem Kartenlauf zusammengefügt. Nach Erzählungen benötigte ein erfahrener Weber bzw. eine erfahrene Weberin früher für einen Meter Beiderwandstoff ungefähr eine Stunde Zeit. Heute in Meldorf wird ein Meter mit Betreuten an einem Tag, also cirka in sechs Stunden gewebt. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit der Teilnahme an einer virtuellen Exkursion." Annika Klinkig

"Bei der Führung bekamen wir einen übersichtlichen Einblick in die Webwerkstatt. Es wird mit großen Jacquardwebstühlen gewebt. Die Webstühle ähneln dem großen Jacquardwebstuhl an unserer Universität, an dem ich letztes Semester die Möglichkeit hatte, unterschiedliche Bindungsarten auszuprobieren und zu weben. Während der Führung hat Wolfgang Sternberg uns die unterschiedlichen Muster, welche in Lochkarten 'übersetzt' und äußerst gründlich sortiert sind, gezeigt und die Herstellung erklärt. Dank der Führung kann ich mir die Werkstätten besser im Kopf verbildlichen." Zeynep Yaman

"Die frisch renovierte Weberei beherbergt sowohl historische Webstühle, Maschinen und Geräte, als auch einen komplexen Musterschatz. Dieser Musterschatz besteht aus Jacquardkartenläufen, wie die des Musters 'Einhorn' oder 'Schleswig', welche am Jacquardwebstuhl gewebt werden. Die Anzahl der Karten für den Jacquardkartenlauf hängt von der Größe des Gewebes und der Komplexität des Musters ab. Für einen Zentimeter Gewebe werden sieben bis acht Karten verwendet. Während für den kleinen Rapport des Musters 'Schleswig' 80 Karten benötigt werden, umfasst das 'Einhornmotiv' des gleichnamigen Musters etwa 200 Karten. Der gesamte 'Einhorn'-Kartenlauf ist mehrere 1000 Karten lang. Nie hätte ich gedacht, dass ein kleines Muster von der Entwurfsphase bis zum fertigen Gewebe, vor allem in der Erstellung der Musterkarten, so zeitintensiv sein kann. Auch die Funktionsweise des Jacquardwebstuhls, an welchem ich vergangenes Semester schon Erfahrungen sammeln konnte, beeindruckt mich." Jessica Kirschmann

"Besonders erstaunlich ist die unzählige Anzahl an Fäden, die der Webstuhl besitzt, um die Muster umzusetzen. In der Breite befinden sich ca. 620 Fäden. Zudem wurden wir anhand der Lochkartenmaschine in die Technik des Lochkartensystems eingeweiht. Diese Maschine sah aus wie ein Klavier, denn sie hat eine Tastatur. Beim Betätigen einer Taste wird ein Loch in die Karten gestanzt, sodass am Ende das komplette Muster auf mehreren Lochkarten eingeschlagen wird. Diese Karten werden dann nach der Reihenfolge mit der speziellen Nähmaschine aneinander genäht und werde dann im Ganzen als Kartensatz bezeichnet. Je größer das Muster ist, desto mehr Lochkarten braucht man. Ebenfalls konnten wir durch die Kamera die
Spulen und Schäfte dieses Webstuhls erkennen und netterweise hat Wolfgang Sternberg an dieser Stelle auch etwas vorgewebt. Da er wohl geübt in dieser Aktivität ist, kam es mir sehr schnell vor und durch die Hebung und Senkung der Schäfte ebenfalls sehr laut." Beyza Yilmaz

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Exkursion zur Nachhaltigkeitsmesse NEONYT nach Berlin

Die NEONYT ist die weltweit größte Messe für "Green Fashion" zum Thema Mode und Nachhaltigkeit. Die Messe ist eingebettet in die Fashion Week Berlin und fand im Januar 2020 im alten Flughafen Tempelhof statt. Nachhaltige Modelabels präsentierten ihre Kollektionen. Parallel fand die Konferenz FASHIONSUSTAIN statt. Die Messe richtet sich an FachbesucherInnen. Aus dem Fachgebiet Textiles Gestalten nahmen acht Studierende an der Exkursion zur Nachhaltigkeitsmesse NEONYT und der Konferenz FASHIONSUSTAIN teil. Einige Studierende verlängerten den Aufenthalt  in Berlin, um die Ausstellung SLOW FASHION im Museum Europäischer Kulturen zu besuchen oder in der Atelier- und Second-Laden-Szene zum Thema Mode, Fair Fashion und Modekonsum zu recherchieren. Für 2021 ist ein Umzug der NEONYT zusammen mit der Fashion Week nach Frankfurt geplant.

Auszüge aus den Exkursionsberichten der Studierenden:

 "'Beispiele für Produktinnovationen: Taschen aus 50% Apfehlhaut (100% vegan). Apple Skin' ist ein Restprodukt der Apfelindustrie, welches getrocknet, zu feinem Pulver gemahlen, anschließend mit 50% PU (Polyurethan) angemischt und auf einen Baumwollstoff aufgetragen wird. (...) oder: Upcyclingsprozesse von Plastikflaschen aus den Ozeanen, recycelten Baumwoll-T-Shirts, Nylon-Resten, gebrauchten Altreifen als Grundlage für ökologische Flip-Flops. (...) oder: den weltweit ersten Rucksack aus Meeresplastik. Jedes Jahr gelangen circa 9 Millionen Tonnen an Plastikmüll in unsere Ozeane. Mit Hilfe von hunderten Fischern und Partnern wird das Meeresplastik aus den Ozeanen gefischt und dieses in hochwertiges Garn zur Produktion von Rucksäcken umgewandelt. Für jeden Rucksack werden 3,5 Kg recyceltes Plastik verwendet. (...) Die von uns besuchte Nachhaltigkeits-Messe NEONYT war ein äußerst interessanter Einblick in den Bereich Fair Fashion und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen." Marie-Christine Fink

"Durch den Besuch der Nachhaltigkeitsmesse NEONYT in Berlin wurde ich sehr zum Nach-, aber vor allem zum Umdenken angeregt. Da der Konsum von Mode ein Thema ist, dass jeden Einzelnen betrifft, erscheint es mir sehr wichtig, auf welche Weise die Gesellschaft und mit ihr jeder Einzelne konsumiert. (...) Ich werde mein erlangtes Wissen mit meinen Mitmenschen teilen, mein Konsumverhalten kritischer hinterfragen und noch häufer auf alternative und nachhaltige Labels zurückgreifen. Insbesondere in meiner zukünftigen Tätigkeit als Lehrerin, bringe ich das Thema Nachhaltigkeit in den Unterricht im Fach Textiles Gestalten ein. So könnte man bereits Kinder im Schulalter sensibilisieren und die Grundsteine für ein nachhaltiges Bewusstsein schaffen." Sophie Mestemacher

"Ich habe mich für diese Exkursion angemeldet, da das Thema Nachhaltigkeit, im Speziellen im Bezug auf Kleidung, für mich von großer Bedeutung ist. Es steht außer Diskussion, dass unsere Umwelt der Belastung der konventionellen Kleidungsproduktion nicht mehr lange standhalten wird. (...) Eine Produktionsweise ist nachhaltig, wenn sie über lange Zeit Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft nicht nachteilig beeinflusst. Fast Fashion ist ökologisch nicht nachhaltig, da beispielsweise bei der Textilfärbung wenig Rücksicht auf die Wasserqualität genommen wird und der Chemikalieneinsatz sehr hoch ist. Sie ist sozial nicht nachhaltig, wenn Kinder zur Arbeit eingesetzt werden und Arbeitsrechte missachtet werden. Ökonomisch entstehen für kleine regionale Textilgeschäfte und für globale Zulieferbetriebe großer ständiger Preisdruck und große wirtschaftliche Unsicherheiten. Zulieferbetriebe werden zu Preisdumping gezwungen. Es ist an der Zeit, faire und umweltfreundliche Kleidung als Standard zu setzen und die Reorganisation in der breiten Bevölkerung umzusetzen." Sophia Schlimm

"Das Wort Neonyt setzt sich aus dem altgriechischen Wort 'neo', was im Deutschen soviel wie revolutionär und dem skandinavischen Wort 'nytt', was auf Deutsch neu bedeutet, zusammen und meint im übertragenen Sinn 'Das erneuerte Neu'. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsmesse wird das Kunstwort als Synonym für den fundamentalen Transformationsprozess der Mode- und Textilbranche verwendet. (...) Ich bin motiviert, mich näher mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen und werde in Zukunft beim Kleidungskauf deutlicher auf die Marke und deren Background achten." Annika Klinkig

"Nachhaltigkeit ist eine zukunftsorientierte Entwicklung des Handelns in der Ressourcen-Nutzung. Eine der wichtigsten Bereiche in punkto Nachhaltigkeit ist die Branche der Textilindustrie. In dieser Branche wird von der Gewinnung der Faser über die Flächenbildung bis zur Anfertigung der textilen Endprodukte auf sehr viele Ressourcen zurückgegriffen. In allen Bereichen ist es notwendig, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass diese Ressourcen endlich sind und dass unsere Erde durch unachtsames Verhalten und Handeln von uns mit großen Problemen wie Klimawandel und Erderwärmung zu kämpfen hat. Nachhaltiges Handeln muß deshalb ein Teil unseres Alltags sein. Kurzgefasst kann man sagen, dass die Exursion sehr hilfreich dafür gewesen ist, um mir ein besseres Bild der Nachhaltigkeit in der Textilbranche und dem Bewusstsein über nachhaltiges Leben zu machen." Zeynep Yaman

 "Auf der brandlist der NEONYT fanden sich neben großen, bekannten Marken wie ARMEDANGELS, Blauer Engel, calida und kavat auch sehr viel kleine, neue Marken wie zum Beispiel NUUVAI, back to eco, Bridge & Tunnel und soki. Diese bieten unglaublich spannende, neue und zum Teil sehr innovative Alternativen zu herkömmlichen Materialien und Herstellungsverfahren in Bezug auf Nachhaltigkeit, Fair Wair & Umweltschutz. Viele Dinge waren mir definitv neu, wie zum Beispiel das Apfelleder der Firma NUUVAI, welchse aus getrockneten, pulverisierten Apfelresten hergestellt wird. Mit einem ähnlichen Verfahren wird auch Ananasleder hergestellt. Bei einer Vielzahl von Labels bin ich auf neue Materialien gestoßen. Allerdings gab es auch Ansätze zum Recyclen von bereits vorhandenen Textilien, um so zum Beispiel aus alten Jeans neue Kleidungsstücke herzustellen (zu finden bei MUD Jeans, back to exo und Bridge & Tunnel). Dies ist ein Thema, welches mich persönlich aktuell sehr anspricht." Anja Leshoff

 "Zur Mode und Textilien gehören auch Themen wie Umweltschutz, Luftverschmutzung, Globlalisierung, Arbeitsbedingungen und die damit verbundene Verantwortung der Labels. Dies sind zugleich Kriterien der Nachhaltigkeit, die unter folgenden drei Begriffen gefasst werden: Transparenz (in der Textilen Kette - sprich die Liefer- und Produktionskette), Ökologie (negative Auswirkungen auf die Umwelt vermeiden im Hinblick auf die Produktion von Rohmaterialien, Entsorgung, Wiederverwendung und Zero Waste) und soziale Verantwortung (Lieferkette, demokratische Werte, faire Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne, Fairtrade, Respekt gegenüber kulturellen Traditionen anderer). (...) Ich war beeindruckt von der Messe und dass schon so viele ernsthafte Labels existieren. Dementsprechend war ich auch von der Vielfalt der Produkte erstaunt und überwältigt." Beyza Yilmaz

"Das Vorurteil, das ökologische Mode schlicht und unästhetisch aussieht, stimmt längst nicht mehr. Die Messe hat mich persönlich auch motiviert, mich in meinem privaten Umfeld mehr über das Thema nachhaltige und faire Mode zu informieren. So gehe ich mit einer langen Liste voll mit Namen vieler Labels nach Hause, die ich auf der Messe kennengelernt habe." Marina Melissa Karl

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Textile Research Centre Leiden

Forschungsprojekt im Textile Research Centre Leiden für Fachgebiet Textiles Gestalten

Der von Prof. Dr. Bärbel Schmidt an das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gestellte Antrag zum Themenschwerpunkt: Erzählstoff – Forschungsbasierte Notizen über das vestimentäre Gedächtnis des deutschen Kleidungsbestandes im Textiles Research Centre in Leiden ist positiv beschieden worden. Dem Fachgebiet stehen jetzt 6.800 Euro für die Umsetzung zur Verfügung.

Dem Antrag vorausgegangen war eine Fachexkursion mit Studierenden des Textilen Gestaltens in das Textile Research Center Leiden.

Im Fokus des Projektes steht die im Textile Research Centre in Leiden gesammelte Kleidung deutscher Provenienz. Das TCR ist ein autarkes Forschungsinstitut, dass sich auf anthropologische und archäologische Themen im Bereich von Textilien und Kleidung spezialisiert hat. Das unabhängige Forschungsinstitut verfügt über eine cirka 25.000 Sammlungsstücke umfassende Textilsammlung aus aller Welt und allen Zeiten, u. a. aus Deutschland. Die am Forschungsinstitut ansässigen Mitarbeiter_innen gehen vor allem der Fragestellung nach, was Menschen tragen, um ihre Identität auszudrücken. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit dem Themenkomplex der vorindustriellen Textiltechnologie (s. www.trc-leiden.nl/).

Trotz intensiver Arbeiten sind aufgrund von mangelnden personellen Kapazitäten noch nicht alle Kleidungstücke und Textilien systematisch erfasst und wissenschaftlich bearbeitet worden. Dies betrifft auch die in der Sammlung befindlichen Sammlungsstücke deutscher Herkunft. Ein bedauernswertes Desiderat, da Kleidung sehr häufig als Träger persönlicher, lebensgeschichtlich aufgeladener und emotional besetzter Bedeutungen fungiert. Eine Aufarbeitung der Kleidungsstücke könnte zu einem besseren Verständnis über möglicherweise unterschiedliche Kleidungsstile in den Niederlanden und Deutschland führen, könnte Aufschlüsse über die Körpertechniken bzw. körperbezogene Erfahrungen durch Kleidung in beiden Ländern geben, könnte die Fragen klären, welche regionalspezifischen Kleidungsstücke im Textile Research Centre aufgenommen wurden und warum. Zudem könnte über die Kleidungsstücke das alltägliche Kleidungsverhalten in beiden Ländern analysiert werden.

Kleidung hatte in vergangener Zeit einen völlig anderen Stellenwert und Wert im Leben der Menschen. Sie wurde über Generationen hinweg vererbt. Heute werden jährlich unzählige Kollektionen produziert, die die Nachfrage ankurbeln und Trend nach Trend verbreiten sollen. Viele Konsumenten und Konsumentinnen folgen dieser Vorgabe der Textilindustrie, indem sie ständig neue Kleidung kaufen und dabei nicht auf nachhaltige Produktionsbedingungen (sozial, ökologisch, ökonomisch, kulturell) achten. Trotz der negativen Klimabilanz, dem Einsturz der Fabrik Rana Plaza in Bangladesh im Jahre 2013 mit über 1.000 getöteten Menschen sowie unzähliger Siegel, die eine nachhaltige Produktion verheißen, hat sich bislang wenig im Bewusstsein und dementsprechend im Handeln der Konsumenten und Konsumentinnen geändert. Der Blick zurück auf einen – zwar zwangsweise – so doch aber wesentlich gesünderen und sozial verträglicheren Umgang mit Kleidung und Textilien dient dazu, das Thema Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Projekt vertiefend aufzugreifen. Da das Fachgebiet Textiles Gestalten in der Lehramtsausbildung verankert ist, können die Erfahrungen der Studierenden langfristig nachhaltig die nachwachsenden Generationen in den Schulen erreichen.

In einem ersten Schritt soll eine Inventarisierung der Kleidungsstücke und Textilien von den Studierenden mit dem auf das Textile Centre zugeschnittenen Inventarisierungsprogramm Jumloo additions erfolgen. Im zweiten Schritt sollen deren unmittelbare Gebrauchsfunktionen, materieller Wert, materielle Struktur, Schmuck, Schutz oder deren gesellschaftlichem Ansehen ebenso erarbeitet werden wie bei vorhandener Provenienz subjektiven Empfindungen, Deutungen und Erinnerungen, der Interaktionen und Erzählungen, die sich darin Ausdruck verschaffen (s. Hartmann/Holecek 2011, S. 187f.).

Geplant ist zum Abschluss des Projektes eine Ausstellung im Textile Research Centre, in der die Bevölkerung über das Forschungsprojekt und die Ergebnisse der Recherchen informiert werden.

Text, Fotos und weitere Informationen: Prof. Dr. Bärbel Schmidt.

Textilexkursion nach Sri Lanka

Exkursion in ein Land mit reicher textiler Tradition
Eine Gruppe von Studierenden und Lehrenden des Textilen Gestaltens reiste im Frühjahr 2018 für drei Wochen zu einer Textilexkursion nach Sri Lanka.

Sri Lanka ist ein Land mit reicher textiler Tradition insbesondere im Bereich der Weberei. Das Land befindet sich nach fast 30jährigem Bürgerkrieg im Wiederaufbau. In Sozialprojekten, Handwerkszentren und Manufakturen werden Handwebstühle aufgebaut und zur Produktion einheimischer Textilien verwendet, unabhängig von der Massenproduktion in industriellen Freihandelszonen. Voraussetzung für die erfolgreiche Vermarktung der handgewebten Textilien ist neben der handwerklichen Ausführung hochwertiges Design.

Konkrete Aufgabe für die Exkursionsgruppe unter der Projektleitung von Prof. Dr. Bärbel Schmidt war die Unterstützung eines Sozialprojekts im ehemaligen tamilischen Bürgerkriegsgebiet im Norden Sri Lankas. Die Studierenden entwickelten und präsentierten Designs für handgewebte Textilien für WEAVE, ein Projekt, das alleinerziehenden Frauen, häufig tamilischen Kriegswitwen, durch die Arbeit in Kooperativen und an heimischen Webstühlen ein eigenes Einkommen ermöglicht.

Weitere Bestandteile der Textilexkursion waren Besuche bei Textil-Hochschulen auf der Insel,  in einem traditionellen Webdorf im Tamilengebeit, einer Färbe-Iniative in den Bergen Sri Lankas, bei Textilmanufakturen, TextilkünstlerInnen und –desigernInnen, dem National Crafts Council, dem Nationalmuseum Colombo und dem Goethe-Institut.

Beim gemeinsamen Workshop mit Studierenden der Universität Morutawa ging es um den Austausch textiler Techniken, um die Vermittlung von Gestaltung und um pädagogische Konzepte.  Besonders interessiert waren Lehrkräfte und Studierende der Universität Moratuwa und der ebenfalls besuchten AOD Design Akademie Sri Lanka an der aktuell sehr guten technischen Werkstatt-Ausstattung im Fachgebiet Textiles Gestalten in Osnabrück. Hier ist soeben die zukunftsweisende Neuanschaffung eines digitalen Handjacquardwebstuhls erfolgt, sowie die Restrukturierung der Webwerkstatt, inklusive Instandsetzung eines historischen Lochkartenjacquards - einmalig an einer Universität in Deutschland.

Ermöglicht wurde die Vorbereitung von Kooperation und Exkursion durch internationale Kontakte der ehemaligen Osnabrücker Universitätsabsolventin, Dr. Mirja Kekeritz, die mit einem DAAD-Stipendium in Sri Lanka forscht.

Beteiligte Studierende: Catrin Adam, Pauline Becking, Amelie Gieschler, Cynthia Göcken, Anna-Katharina Kestel, Anna Klinar, Carolin Polaczyk, Lara Schöber, Rieke Scholle.

Beteiligte Lehrende: Prof. Dr. Bärbel Schmidt, Dipl. Des. Lucia Schwalenberg

Fotos: Lucia Schwalenberg

Prof. Dr. Bärbel Schmidt/Dr. Mirja Kekeritz/Lucia Schwalenberg
Textilexkursion Sri Lanka
Format 14,8 x 21 cm
32 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen
Universität Osnabrück/Textiles Gestalten 2018

Textilexkursion Sri Lanka

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