FB 01: Kultur- und Sozialwissenschaften

Textiles Gestalten


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Historische Beiderwandweberei der Stiftung Mensch in Meldorf

Beiderwandweberei Meldorf

Videoexkursion mit Studierenden in den Handwerkerhof der Stiftung Mensch

Im Rahmen der digitalen Lehre fand im Fachgebiet Textiles Gestalten eine Videoexkursion in die  Beiderwandweberei der Stiftung Mensch in Meldorf statt. Die Stiftung Mensch verfügt im Alten Pastorat in Meldorf über eine deutschlandweit einzigartige Beiderwandweberei. Bestandteil der Weberei ist ein kostbarer, historisch gewachsener Musterschatz mit komplexen Jacquardkartenläufen, historischen Webstühlen, Maschinen und Geräten sowie einem Archiv an Gewebezeichnungen und Musterproben. Der Betrieb erfolgt mit Betreuten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Leiter des Handwerkerhofes im Alten Pastorat, Wolfgang Sternberg, führte die Studierenden des Textilen Gestaltens durch die Werkstatt. Die Videoexkursion war Bestandteil der Lehrveranstaltung "Musterschatz - Kollektionsentwicklung für die historische Beiderwandweberei der Stiftung Mensch in Meldorf" mit Lucia Schwalenberg.

Auszüge aus den Exkursionsberichten der Studierenden:

"Ich habe einen Eindruck bekommen was es heißt, ein Muster zu weben - von der Idee bis hin zum Endprodukt. Außerdem dafür, welche Arbeit und was für ein Zeitaufwand hinter der Entwicklung steckt. Sehr beeindruckt war ich davon, wie der Jacquardwebstuhl funktioniert und wie viele Lochkarten es braucht, um ein Muster mechanisch weben zu können." Rieke Ohlsen

"Die Lochkarten sind verantwortlich für die komplexen Muster bei der Jacquardweberei, da anders als bei  Schaftwebstühlen, jeder Kettfaden einzeln und unabhängig voneinander gehoben bzw. gesenkt werden kann. Auf die Lochkarten wird das gewünschte Muster im Binärsystem programmiert. Ein Loch an der entsprechenden Stelle auf der Lochkarte bedeutet, dass der Kettfaden gehoben wird, kein Loch heißt, dass er gesenkt bleibt. Die Lochkarten bestehen aus dicker Pappe und vier Grundlöchern in den Ecken, an denen die Lochkarten miteinander verbunden werden. In einer externen 'Programmier'-Maschine, der sogenannten Kartenschlagmaschine, wird das Muster mit einer Tastatur eingestanzt. Dieses Lochkarten-System ist das Charakteristikum eines Jacquardwebstuhls. Ich bin sehr dankbar dafür, dass uns die Exkursion ermöglicht wurde und nehme eine Menge bezüglich des Arbeitsaufwandes der Weberei mit." Sohpia Schlimm

"Die Werkstatt wurde saniert und einige Webstühle generalüberholt. Die Sanierung kam stark zur Geltung, so wirkten die Räumlichkeiten offen und hell. Sie vermittelten einen Eindruck einer ruhigen Arbeitsatmosphäre. Das Besondere an der Weberei in Meldorf ist, dass sie neben den Jacquardwebstühlen auch eine Kartenschlagmaschine und eine Kartennähmaschine besitzt. Beim Kartenschlagen werden Grundkarten mit Grundlöchern formatiert. Diese Karten werden anschließend in die Kartenschlagmaschine eingespannt, sodass konkrete Löcher - für das jeweilige Muster - mit der Tastatur geschlagen werden können. Nachdem die Karten geschlagen sind, werden sie mit einer speziellen 'Nähmaschine' zu einem Kartenlauf zusammengefügt. Nach Erzählungen benötigte ein erfahrener Weber bzw. eine erfahrene Weberin früher für einen Meter Beiderwandstoff ungefähr eine Stunde Zeit. Heute in Meldorf wird ein Meter mit Betreuten an einem Tag, also cirka in sechs Stunden gewebt. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit der Teilnahme an einer virtuellen Exkursion." Annika Klinkig

"Bei der Führung bekamen wir einen übersichtlichen Einblick in die Webwerkstatt. Es wird mit großen Jacquardwebstühlen gewebt. Die Webstühle ähneln dem großen Jacquardwebstuhl an unserer Universität, an dem ich letztes Semester die Möglichkeit hatte, unterschiedliche Bindungsarten auszuprobieren und zu weben. Während der Führung hat Wolfgang Sternberg uns die unterschiedlichen Muster, welche in Lochkarten 'übersetzt' und äußerst gründlich sortiert sind, gezeigt und die Herstellung erklärt. Dank der Führung kann ich mir die Werkstätten besser im Kopf verbildlichen." Zeynep Yaman

"Die frisch renovierte Weberei beherbergt sowohl historische Webstühle, Maschinen und Geräte, als auch einen komplexen Musterschatz. Dieser Musterschatz besteht aus Jacquardkartenläufen, wie die des Musters 'Einhorn' oder 'Schleswig', welche am Jacquardwebstuhl gewebt werden. Die Anzahl der Karten für den Jacquardkartenlauf hängt von der Größe des Gewebes und der Komplexität des Musters ab. Für einen Zentimeter Gewebe werden sieben bis acht Karten verwendet. Während für den kleinen Rapport des Musters 'Schleswig' 80 Karten benötigt werden, umfasst das 'Einhornmotiv' des gleichnamigen Musters etwa 200 Karten. Der gesamte 'Einhorn'-Kartenlauf ist mehrere 1000 Karten lang. Nie hätte ich gedacht, dass ein kleines Muster von der Entwurfsphase bis zum fertigen Gewebe, vor allem in der Erstellung der Musterkarten, so zeitintensiv sein kann. Auch die Funktionsweise des Jacquardwebstuhls, an welchem ich vergangenes Semester schon Erfahrungen sammeln konnte, beeindruckt mich." Jessica Kirschmann

"Besonders erstaunlich ist die unzählige Anzahl an Fäden, die der Webstuhl besitzt, um die Muster umzusetzen. In der Breite befinden sich ca. 620 Fäden. Zudem wurden wir anhand der Lochkartenmaschine in die Technik des Lochkartensystems eingeweiht. Diese Maschine sah aus wie ein Klavier, denn sie hat eine Tastatur. Beim Betätigen einer Taste wird ein Loch in die Karten gestanzt, sodass am Ende das komplette Muster auf mehreren Lochkarten eingeschlagen wird. Diese Karten werden dann nach der Reihenfolge mit der speziellen Nähmaschine aneinander genäht und werde dann im Ganzen als Kartensatz bezeichnet. Je größer das Muster ist, desto mehr Lochkarten braucht man. Ebenfalls konnten wir durch die Kamera die
Spulen und Schäfte dieses Webstuhls erkennen und netterweise hat Wolfgang Sternberg an dieser Stelle auch etwas vorgewebt. Da er wohl geübt in dieser Aktivität ist, kam es mir sehr schnell vor und durch die Hebung und Senkung der Schäfte ebenfalls sehr laut." Beyza Yilmaz

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Exkursion zur Nachhaltigkeitsmesse NEONYT nach Berlin

Die NEONYT ist die weltweit größte Messe für "Green Fashion" zum Thema Mode und Nachhaltigkeit. Die Messe ist eingebettet in die Fashion Week Berlin und fand im Januar 2020 im alten Flughafen Tempelhof statt. Nachhaltige Modelabels präsentierten ihre Kollektionen. Parallel fand die Konferenz FASHIONSUSTAIN statt. Die Messe richtet sich an FachbesucherInnen. Aus dem Fachgebiet Textiles Gestalten nahmen acht Studierende an der Exkursion zur Nachhaltigkeitsmesse NEONYT und der Konferenz FASHIONSUSTAIN teil. Einige Studierende verlängerten den Aufenthalt  in Berlin, um die Ausstellung SLOW FASHION im Museum Europäischer Kulturen zu besuchen oder in der Atelier- und Second-Laden-Szene zum Thema Mode, Fair Fashion und Modekonsum zu recherchieren. Für 2021 ist ein Umzug der NEONYT zusammen mit der Fashion Week nach Frankfurt geplant.

Auszüge aus den Exkursionsberichten der Studierenden:

 "'Beispiele für Produktinnovationen: Taschen aus 50% Apfehlhaut (100% vegan). Apple Skin' ist ein Restprodukt der Apfelindustrie, welches getrocknet, zu feinem Pulver gemahlen, anschließend mit 50% PU (Polyurethan) angemischt und auf einen Baumwollstoff aufgetragen wird. (...) oder: Upcyclingsprozesse von Plastikflaschen aus den Ozeanen, recycelten Baumwoll-T-Shirts, Nylon-Resten, gebrauchten Altreifen als Grundlage für ökologische Flip-Flops. (...) oder: den weltweit ersten Rucksack aus Meeresplastik. Jedes Jahr gelangen circa 9 Millionen Tonnen an Plastikmüll in unsere Ozeane. Mit Hilfe von hunderten Fischern und Partnern wird das Meeresplastik aus den Ozeanen gefischt und dieses in hochwertiges Garn zur Produktion von Rucksäcken umgewandelt. Für jeden Rucksack werden 3,5 Kg recyceltes Plastik verwendet. (...) Die von uns besuchte Nachhaltigkeits-Messe NEONYT war ein äußerst interessanter Einblick in den Bereich Fair Fashion und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen." Marie-Christine Fink

"Durch den Besuch der Nachhaltigkeitsmesse NEONYT in Berlin wurde ich sehr zum Nach-, aber vor allem zum Umdenken angeregt. Da der Konsum von Mode ein Thema ist, dass jeden Einzelnen betrifft, erscheint es mir sehr wichtig, auf welche Weise die Gesellschaft und mit ihr jeder Einzelne konsumiert. (...) Ich werde mein erlangtes Wissen mit meinen Mitmenschen teilen, mein Konsumverhalten kritischer hinterfragen und noch häufer auf alternative und nachhaltige Labels zurückgreifen. Insbesondere in meiner zukünftigen Tätigkeit als Lehrerin, bringe ich das Thema Nachhaltigkeit in den Unterricht im Fach Textiles Gestalten ein. So könnte man bereits Kinder im Schulalter sensibilisieren und die Grundsteine für ein nachhaltiges Bewusstsein schaffen." Sophie Mestemacher

"Ich habe mich für diese Exkursion angemeldet, da das Thema Nachhaltigkeit, im Speziellen im Bezug auf Kleidung, für mich von großer Bedeutung ist. Es steht außer Diskussion, dass unsere Umwelt der Belastung der konventionellen Kleidungsproduktion nicht mehr lange standhalten wird. (...) Eine Produktionsweise ist nachhaltig, wenn sie über lange Zeit Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft nicht nachteilig beeinflusst. Fast Fashion ist ökologisch nicht nachhaltig, da beispielsweise bei der Textilfärbung wenig Rücksicht auf die Wasserqualität genommen wird und der Chemikalieneinsatz sehr hoch ist. Sie ist sozial nicht nachhaltig, wenn Kinder zur Arbeit eingesetzt werden und Arbeitsrechte missachtet werden. Ökonomisch entstehen für kleine regionale Textilgeschäfte und für globale Zulieferbetriebe großer ständiger Preisdruck und große wirtschaftliche Unsicherheiten. Zulieferbetriebe werden zu Preisdumping gezwungen. Es ist an der Zeit, faire und umweltfreundliche Kleidung als Standard zu setzen und die Reorganisation in der breiten Bevölkerung umzusetzen." Sophia Schlimm

"Das Wort Neonyt setzt sich aus dem altgriechischen Wort 'neo', was im Deutschen soviel wie revolutionär und dem skandinavischen Wort 'nytt', was auf Deutsch neu bedeutet, zusammen und meint im übertragenen Sinn 'Das erneuerte Neu'. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsmesse wird das Kunstwort als Synonym für den fundamentalen Transformationsprozess der Mode- und Textilbranche verwendet. (...) Ich bin motiviert, mich näher mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen und werde in Zukunft beim Kleidungskauf deutlicher auf die Marke und deren Background achten." Annika Klinkig

"Nachhaltigkeit ist eine zukunftsorientierte Entwicklung des Handelns in der Ressourcen-Nutzung. Eine der wichtigsten Bereiche in punkto Nachhaltigkeit ist die Branche der Textilindustrie. In dieser Branche wird von der Gewinnung der Faser über die Flächenbildung bis zur Anfertigung der textilen Endprodukte auf sehr viele Ressourcen zurückgegriffen. In allen Bereichen ist es notwendig, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass diese Ressourcen endlich sind und dass unsere Erde durch unachtsames Verhalten und Handeln von uns mit großen Problemen wie Klimawandel und Erderwärmung zu kämpfen hat. Nachhaltiges Handeln muß deshalb ein Teil unseres Alltags sein. Kurzgefasst kann man sagen, dass die Exursion sehr hilfreich dafür gewesen ist, um mir ein besseres Bild der Nachhaltigkeit in der Textilbranche und dem Bewusstsein über nachhaltiges Leben zu machen." Zeynep Yaman

 "Auf der brandlist der NEONYT fanden sich neben großen, bekannten Marken wie ARMEDANGELS, Blauer Engel, calida und kavat auch sehr viel kleine, neue Marken wie zum Beispiel NUUVAI, back to eco, Bridge & Tunnel und soki. Diese bieten unglaublich spannende, neue und zum Teil sehr innovative Alternativen zu herkömmlichen Materialien und Herstellungsverfahren in Bezug auf Nachhaltigkeit, Fair Wair & Umweltschutz. Viele Dinge waren mir definitv neu, wie zum Beispiel das Apfelleder der Firma NUUVAI, welchse aus getrockneten, pulverisierten Apfelresten hergestellt wird. Mit einem ähnlichen Verfahren wird auch Ananasleder hergestellt. Bei einer Vielzahl von Labels bin ich auf neue Materialien gestoßen. Allerdings gab es auch Ansätze zum Recyclen von bereits vorhandenen Textilien, um so zum Beispiel aus alten Jeans neue Kleidungsstücke herzustellen (zu finden bei MUD Jeans, back to exo und Bridge & Tunnel). Dies ist ein Thema, welches mich persönlich aktuell sehr anspricht." Anja Leshoff

 "Zur Mode und Textilien gehören auch Themen wie Umweltschutz, Luftverschmutzung, Globlalisierung, Arbeitsbedingungen und die damit verbundene Verantwortung der Labels. Dies sind zugleich Kriterien der Nachhaltigkeit, die unter folgenden drei Begriffen gefasst werden: Transparenz (in der Textilen Kette - sprich die Liefer- und Produktionskette), Ökologie (negative Auswirkungen auf die Umwelt vermeiden im Hinblick auf die Produktion von Rohmaterialien, Entsorgung, Wiederverwendung und Zero Waste) und soziale Verantwortung (Lieferkette, demokratische Werte, faire Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne, Fairtrade, Respekt gegenüber kulturellen Traditionen anderer). (...) Ich war beeindruckt von der Messe und dass schon so viele ernsthafte Labels existieren. Dementsprechend war ich auch von der Vielfalt der Produkte erstaunt und überwältigt." Beyza Yilmaz

"Das Vorurteil, das ökologische Mode schlicht und unästhetisch aussieht, stimmt längst nicht mehr. Die Messe hat mich persönlich auch motiviert, mich in meinem privaten Umfeld mehr über das Thema nachhaltige und faire Mode zu informieren. So gehe ich mit einer langen Liste voll mit Namen vieler Labels nach Hause, die ich auf der Messe kennengelernt habe." Marina Melissa Karl

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Textile Research Centre Leiden

Forschungsprojekt im Textile Research Centre Leiden für Fachgebiet Textiles Gestalten

Der von Prof. Dr. Bärbel Schmidt an das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gestellte Antrag zum Themenschwerpunkt: Erzählstoff – Forschungsbasierte Notizen über das vestimentäre Gedächtnis des deutschen Kleidungsbestandes im Textiles Research Centre in Leiden ist positiv beschieden worden. Dem Fachgebiet stehen jetzt 6.800 Euro für die Umsetzung zur Verfügung.

Dem Antrag vorausgegangen war eine Fachexkursion mit Studierenden des Textilen Gestaltens in das Textile Research Center Leiden.

Im Fokus des Projektes steht die im Textile Research Centre in Leiden gesammelte Kleidung deutscher Provenienz. Das TCR ist ein autarkes Forschungsinstitut, dass sich auf anthropologische und archäologische Themen im Bereich von Textilien und Kleidung spezialisiert hat. Das unabhängige Forschungsinstitut verfügt über eine cirka 25.000 Sammlungsstücke umfassende Textilsammlung aus aller Welt und allen Zeiten, u. a. aus Deutschland. Die am Forschungsinstitut ansässigen Mitarbeiter_innen gehen vor allem der Fragestellung nach, was Menschen tragen, um ihre Identität auszudrücken. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit dem Themenkomplex der vorindustriellen Textiltechnologie (s. www.trc-leiden.nl/).

Trotz intensiver Arbeiten sind aufgrund von mangelnden personellen Kapazitäten noch nicht alle Kleidungstücke und Textilien systematisch erfasst und wissenschaftlich bearbeitet worden. Dies betrifft auch die in der Sammlung befindlichen Sammlungsstücke deutscher Herkunft. Ein bedauernswertes Desiderat, da Kleidung sehr häufig als Träger persönlicher, lebensgeschichtlich aufgeladener und emotional besetzter Bedeutungen fungiert. Eine Aufarbeitung der Kleidungsstücke könnte zu einem besseren Verständnis über möglicherweise unterschiedliche Kleidungsstile in den Niederlanden und Deutschland führen, könnte Aufschlüsse über die Körpertechniken bzw. körperbezogene Erfahrungen durch Kleidung in beiden Ländern geben, könnte die Fragen klären, welche regionalspezifischen Kleidungsstücke im Textile Research Centre aufgenommen wurden und warum. Zudem könnte über die Kleidungsstücke das alltägliche Kleidungsverhalten in beiden Ländern analysiert werden.

Kleidung hatte in vergangener Zeit einen völlig anderen Stellenwert und Wert im Leben der Menschen. Sie wurde über Generationen hinweg vererbt. Heute werden jährlich unzählige Kollektionen produziert, die die Nachfrage ankurbeln und Trend nach Trend verbreiten sollen. Viele Konsumenten und Konsumentinnen folgen dieser Vorgabe der Textilindustrie, indem sie ständig neue Kleidung kaufen und dabei nicht auf nachhaltige Produktionsbedingungen (sozial, ökologisch, ökonomisch, kulturell) achten. Trotz der negativen Klimabilanz, dem Einsturz der Fabrik Rana Plaza in Bangladesh im Jahre 2013 mit über 1.000 getöteten Menschen sowie unzähliger Siegel, die eine nachhaltige Produktion verheißen, hat sich bislang wenig im Bewusstsein und dementsprechend im Handeln der Konsumenten und Konsumentinnen geändert. Der Blick zurück auf einen – zwar zwangsweise – so doch aber wesentlich gesünderen und sozial verträglicheren Umgang mit Kleidung und Textilien dient dazu, das Thema Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Projekt vertiefend aufzugreifen. Da das Fachgebiet Textiles Gestalten in der Lehramtsausbildung verankert ist, können die Erfahrungen der Studierenden langfristig nachhaltig die nachwachsenden Generationen in den Schulen erreichen.

In einem ersten Schritt soll eine Inventarisierung der Kleidungsstücke und Textilien von den Studierenden mit dem auf das Textile Centre zugeschnittenen Inventarisierungsprogramm Jumloo additions erfolgen. Im zweiten Schritt sollen deren unmittelbare Gebrauchsfunktionen, materieller Wert, materielle Struktur, Schmuck, Schutz oder deren gesellschaftlichem Ansehen ebenso erarbeitet werden wie bei vorhandener Provenienz subjektiven Empfindungen, Deutungen und Erinnerungen, der Interaktionen und Erzählungen, die sich darin Ausdruck verschaffen (s. Hartmann/Holecek 2011, S. 187f.).

Geplant ist zum Abschluss des Projektes eine Ausstellung im Textile Research Centre, in der die Bevölkerung über das Forschungsprojekt und die Ergebnisse der Recherchen informiert werden.

Text, Fotos und weitere Informationen: Prof. Dr. Bärbel Schmidt.

Textilexkursion nach Sri Lanka

Exkursion in ein Land mit reicher textiler Tradition
Eine Gruppe von Studierenden und Lehrenden des Textilen Gestaltens reiste im Frühjahr 2018 für drei Wochen zu einer Textilexkursion nach Sri Lanka.

Sri Lanka ist ein Land mit reicher textiler Tradition insbesondere im Bereich der Weberei. Das Land befindet sich nach fast 30jährigem Bürgerkrieg im Wiederaufbau. In Sozialprojekten, Handwerkszentren und Manufakturen werden Handwebstühle aufgebaut und zur Produktion einheimischer Textilien verwendet, unabhängig von der Massenproduktion in industriellen Freihandelszonen. Voraussetzung für die erfolgreiche Vermarktung der handgewebten Textilien ist neben der handwerklichen Ausführung hochwertiges Design.

Konkrete Aufgabe für die Exkursionsgruppe unter der Projektleitung von Prof. Dr. Bärbel Schmidt war die Unterstützung eines Sozialprojekts im ehemaligen tamilischen Bürgerkriegsgebiet im Norden Sri Lankas. Die Studierenden entwickelten und präsentierten Designs für handgewebte Textilien für WEAVE, ein Projekt, das alleinerziehenden Frauen, häufig tamilischen Kriegswitwen, durch die Arbeit in Kooperativen und an heimischen Webstühlen ein eigenes Einkommen ermöglicht.

Weitere Bestandteile der Textilexkursion waren Besuche bei Textil-Hochschulen auf der Insel,  in einem traditionellen Webdorf im Tamilengebeit, einer Färbe-Iniative in den Bergen Sri Lankas, bei Textilmanufakturen, TextilkünstlerInnen und –desigernInnen, dem National Crafts Council, dem Nationalmuseum Colombo und dem Goethe-Institut.

Beim gemeinsamen Workshop mit Studierenden der Universität Morutawa ging es um den Austausch textiler Techniken, um die Vermittlung von Gestaltung und um pädagogische Konzepte.  Besonders interessiert waren Lehrkräfte und Studierende der Universität Moratuwa und der ebenfalls besuchten AOD Design Akademie Sri Lanka an der aktuell sehr guten technischen Werkstatt-Ausstattung im Fachgebiet Textiles Gestalten in Osnabrück. Hier ist soeben die zukunftsweisende Neuanschaffung eines digitalen Handjacquardwebstuhls erfolgt, sowie die Restrukturierung der Webwerkstatt, inklusive Instandsetzung eines historischen Lochkartenjacquards - einmalig an einer Universität in Deutschland.

Ermöglicht wurde die Vorbereitung von Kooperation und Exkursion durch internationale Kontakte der ehemaligen Osnabrücker Universitätsabsolventin, Dr. Mirja Kekeritz, die mit einem DAAD-Stipendium in Sri Lanka forscht.

Beteiligte Studierende: Catrin Adam, Pauline Becking, Amelie Gieschler, Cynthia Göcken, Anna-Katharina Kestel, Anna Klinar, Carolin Polaczyk, Lara Schöber, Rieke Scholle.

Beteiligte Lehrende: Prof. Dr. Bärbel Schmidt, Dipl. Des. Lucia Schwalenberg

Fotos: Lucia Schwalenberg

Prof. Dr. Bärbel Schmidt/Dr. Mirja Kekeritz/Lucia Schwalenberg
Textilexkursion Sri Lanka
Format 14,8 x 21 cm
32 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen
Universität Osnabrück/Textiles Gestalten 2018

Textilexkursion Sri Lanka

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