FB 01: Kultur- und Sozialwissenschaften

Textiles Gestalten


Navigation und Suche der Universität Osnabrück


Hauptinhalt

Topinformationen

Aktuelles

Topinformationen

Buchankündigung

Neben ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Textiles Gestalten arbeitete unsere Kollegin Sarah Wassermann in den vergangenen 12 Monaten an einem BKM geförderten Forschungsprojekt im Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit wurden nun in der Publikation „Modegruppen und Textilzirkel in der DDR“ im Verlag der Kunst veröffentlicht.

Das Buch bietet einen Einstieg in die Thematik über drei verschiedene

Ebenen: Während der erste Teil den theoretischen, kulturpolitischen Überbau erläutert, verdeutlicht der zweite Teil die Lebenswirklichkeit und Alltagserfahrungen der Gruppen. Der abschließende dritte Teil visualisiert die Textilien als materielle Zeugnisse. Die Veröffentlichung ist zugleich ein Zwischenstand ihrer Forschungsarbeit im Rahmen der Promotion an unserem Fach.

Link

Nach oben

Inklusion im Textilunterricht: Einblicke in den Workshop „Vielfältig, gemeinsam, inklusiv“ im Rahmen der Bundesfachtagung des Verbandes …textil…e.V. im Oktober 2017 in Krefeld


Von Kaya Leimann


Vielfältig, gemeinsam, inklusiv – kleine Worte, hinter denen eine große Bedeutung steckt. Sie stehen für ein gleichberechtigtes Miteinander, das Vielfalt zulässt und eindeutig erwünscht ist. Sie stehen für ein Wir, für eine starke Gemeinschaft, in der jeder Mensch seine Stärken erfährt und nutzen kann. In der grundsätzlich alles möglich ist und eingefahrene Klischees oder Vorurteile nichts zu suchen haben. Vielfältig, gemeinsam, inklusiv – diese drei Worte bildeten den Kern des gleichnamigen, dreistündigen Workshops, den ich im Rahmen der Bundesfachtagung des Verbandes …textil…e.V. in Krefeld im Oktober 2017 anbot und im Folgenden vorstellen möchte.


Organisiert vom Fachverband hatten sich vom 20. bis zum 22. Oktober Unterstützer_innen Lehrende und Freunde des Textilen in der Fabrik Heeder in Krefeld versammelt, um sich für den Erhalt und die Zukunft des Faches einzusetzen. Im Rahmen von Vorträgen, kulturellen Angeboten und thematisch breit gefächerten Workshops fand ein reger Gedankenaustausch unter den Mitgliedern des Fachverbandes statt und eröffnete neue Perspektiven. Wissenswertes zur altehrwürdigen Seidenstadt Krefeld, aktuelle Berichte aus der textilen Fachwelt und rege Diskussionen zum Thema Inklusion im (Textil-) Unterricht, angeregt durch einen Vortrag von Prof. Dr. Iris Kolhoff-Kahl, bereicherten das Angebot.


Mit dem Thema Inklusion beschäftigte sich auch der eingangs erwähnte Workshop. In einem einleitenden Vortrag mit anschließender Praxisphase berichtete ich den acht Teilnehmerinnen von einem Projekt, das ich bereits im April 2017 an einer Osnabrücker Grundschule durchgeführt hatte und das die Grundlage des Workshops bildete. Im Rahmen meines Textilstudiums an der Universität Osnabrück erarbeitete ich für die sogenannte Kontexteprüfung einen Unterrichtsentwurf und führte ihn praktisch an der Schule durch. Ziel des Unterrichtsentwurfes war es, die Fähigkeiten und Fertigkeiten aller Schülerinnen und Schüler nutzbar zu machen und sie für ein vielfältiges Gemeinschaftsprodukt einzusetzen. Das erarbeitete Objekt war ein Poncho aus Packpapier, der sich aus vielen einzelnen Teilen zusammensetze und an dessen Gestaltung jedes Kind mitwirkte.


Den Teilnehmerinnen des Krefelder Workshops legte ich dar, wie ich mit den Kindern das thematische Feld von Kleidung aus Papier erarbeitet habe und im Anschluss mit ihnen über unseren hohen Papierverbrauch heute sprach. Wie ich meinen Zuhörerinnen schilderte war es für die Schülerinnen und Schüler sehr interessant zu erfahren, dass früher vor allem die Bauern in Japan Kleidung aus Papier trugen, da ihnen andere Materialien wie Baumwolle oder Hanf nicht zur Verfügung standen. Auch in Europa führte die Rohstoffknappheit im 19. Jahrhundert dazu, dass Papier als Ersatzstoff für Taschen, Decken oder auch steife Uniformen genutzt wurde.


Im Anschluss an diese Hintergründe legte ich den Workshop-Teilnehmerinnen unseren heutigen Papierverbrauch in Zahlen dar. Aktuell verwendet Deutschland genauso viel Papier, wie Menschen in Afrika und Südamerika zusammen. 22,5 Tonnen Papier produzieren wir jährlich und sind damit der viertgrößte Papier-Produzent weltweit. Pro Kopf und pro Jahr bedeutet das umgerechnet ein Verbrauch von rund 250 Kilogramm, während es Mitte des 19. Jahrhunderts noch 0,5 Kilogramm waren. Den Zuhörerinnen erzählte ich, wie die Kinder Ideen erarbeiteten, um unseren hohen Verbrauch zu senken und sich mit dem Thema Recycling auseinander setzten.


Auch die Ergebnisse des von den Kindern erarbeiteten Papierponchos präsentierte ich den Workshop-Teilnehmerinnen. Auf Bildern zeigte ich, wie die Schülerinnen und Schüler das Packpapier zu einem geschmeidigen Arbeitsmaterial verarbeiteten und es im Anschluss frei gestalteten. Ich legte während meines Vortrags dar, dass jedes Kind seine ganz eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten für
die Gestaltung des Ponchos einsetzen konnte und auch der Aufwand des Arbeitsmaterials sehr gering war. Ebenfalls auf Bildern präsentierte ich den fertigen Poncho und wie ihn jedes beteiligte Kind mit großem Stolz trug.


Ich informierte die Zuhörerinnen, dass sich der dargelegte Unterrichtsentwurf thematisch in die Bereiche „Gestalten“ und „Kulturhistorische Kontexte herstellen“ des niedersächsischen Kerncurriculums für die Grundschule, 4. Schuljahrgang, einordnete. Denn zum einen gestalteten die Kinder ein Objekt, zum anderen setzten sie sich mit der Herkunft von Papierkleidung und mit ersten ökonomischen Zusammenhängen bei der Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung von Papier auseinander.


Während meines Vortrags brachten die Teilnehmerinnen viele weitere Ideen ein und wir sprachen über den Einsatz meiner Projektidee in anderen Schulformen und -stufen. Wir schlossen auch an den bereits erwähnten Vortrag von Frau Kolhoff-Kahl an, der in einer Diskussion über die aktuelle, zusätzliche Belastung für die Lehrkräfte im Zusammenhang mit dem Thema Inklusion an Schulen mündete. Nachdem im Zuge dessen die Frage, welche Lösungsansätze es für die derzeitigen Missstände und Probleme geben könnte, unbeantwortet im Raum stehen blieb, waren sich die Seminarteilnehmerinnen einig, dass Projekte wie der vorgestellte Unterrichtsentwurf eine Bereicherung für den inklusiven Unterricht darstellen.


Im Anschluss an diese rege Diskussion stiegen auch die Teilnehmerinnen in eine praktische Phase ein und erarbeiteten ebenfalls einen Poncho aus Packpapier, ganz nach dem Vorbild des Schulprojektes. Mithilfe von alten Zeitschriften und Magazinen, Stoffresten und Buntstiften setzten sich alle acht auf kreative Weise mit ihrem Stück Packpapier auseinander. Den fertigen Poncho präsentierten sie gegen Ende der Bundesfachtagung und gingen kurz auf die Hintergründe des Workshops ein. Auch in der großen Runde fand das Projekt viel Zuspruch und könnte schon bald in weiteren Klassen und Schulen zum Einsatz kommen.